Seit 2014 ist Marcus Breitfeld Vollzeit-Reisender: zuerst als Backpacker in Zentralamerika und der Karibik im Ultra-Low-Budget-Modus, später als Barkeeper in der Schweiz und seit vergangenem Jahr schließlich gemeinsam mit seinem VW-Bus Balu in ganz Europa. Im Interview haben wir uns mit Marcus über sein Vanlife unterhalten und dabei zahlreiche Tipps dazu erhalten, was Vanlife überhaupt bedeutet.

Mogli und sein Balu (Foto: Marcus Breitfeld)

Mogli und sein Balu (Foto: Marcus Breitfeld)

Deine Vanlife-Abenteuer finden unter dem Titel „Life of Balu“ statt. Was ist die Geschichte dahinter?

Marcus Breitfeld: Da ich 2014 bereits mit dem Bloggen begonnen habe, war mir klar, dass ich die Tour mit meinem Bus irgendwie begleiten muss. So entstand die Idee, einen Dokumentarfilm entstehen zu lassen, der 2018 im Kino zu sehen sein wird. Inspiriert wurde ich hierzu von Jannis mit seinem Film Hyperborea – Per Anhalter zum Nordkap. Da das ein großes Projekt sein würde, brauchte ich einen kurzen Namen. Mein Spitzname ist Mogli und so entschieden meine Leser, dass mein Bus Balu heißen sollte. Wie du siehst: Die Geschichte von ‚Life of Balu‘ ist somit ein Mix aus dem Vanlife (das Leben im Van) und dem Namen von meinem LT28 Bus (Balu).

Woher kam dein Traum, mit dem Van Europa (und vielleicht später die Welt) zu bereisen?

Marcus Breitfeld: Wer hat diesen Traum nicht, einmal einen Bus zu besitzen und damit die Welt zu bereisen? Meinen Traum gab es schon seit vielen Jahren in meinem Kopf, aber ich hatte nie die finanzielle Möglichkeit. Dann bekam ich sie und habe sie einfach am Schopf gepackt! Das Leben sollte einfach in die eigene Hand genommen werden …!

Life of Balu - adVAnture- Travel- Lifestyle- Documentary (Foto: Marcus Breitfeld)

Life of Balu – adVAnture- Travel- Lifestyle- Documentary (Foto: Marcus Breitfeld)

Was waren die Highlights deiner bisherigen Bus-Reisen?

Marcus Breitfeld: Ich habe mit meinem Balu bereits 17 Länder bereist, da sind so viele Anekdoten die ich erzählen könnte! Lass mich kurz überlegen […] Eines meiner Highlights ist, das – egal wo Balu und ich auftauchen – wir freudig empfangen werden. Leute freuen sich, lachen und sind interessiert an dem, was wir bereits zusammen erlebt haben. Vielleicht macht das auch die Europakarte an meinem Balu, wo ich die Route aufzeichne? Zum anderen sehe ich die ganzen Begegnungen mit anderen (Van-)Travellern als ein Highlight auf unseren Reisen. Denn genau diese machen die Erlebnisse auf Reisen aus. Die Unterhaltungen und Verbindungen zu anderen Menschen, ihre Erfahrungen und das was sie erlebt haben.

Aber die Sache, die mich am meisten erstaunt hat und so als Highlight in meinem Gedächtnis geblieben ist: Balu hat in sechs Monaten auf der Straße, durch 17 verschiedene Länder, von kalt nach warm und durch die krassesten Regenstürme nicht ein einziges Mal in eine Werkstatt gemusst. Keine Birne ist kaputt gegangen und ich musste nie eine Sicherung auswechseln. Einfach ein traumhafter Reisebegleiter, mein Balu.

Was heißt „Vanlife“ für dich?

Marcus Breitfeld: Pure Freiheit…Entscheidungen selbst treffen…Einsamkeit…Begegnungen…Erlebnisse…Natur… Schönheit…Erfüllung…Ich könnte Stunden lang so weiter machen… 😉

Wildcamping am Mytikas Beach in Griechenland (Foto: Marcus Breitfeld)

Wildcamping am Mytikas Beach in Griechenland (Foto: Marcus Breitfeld)

Welche Schwierigkeiten ergeben sich, wenn man per Van/Bus unterwegs ist?

Marcus Breitfeld: Schwierigkeiten, hmmm. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nie Schwierigkeiten hatte oder sich je welche ergeben haben. Klar ist es nicht einfach, allein unterwegs zu sein, man verbringt viel Zeit mit sich selbst, fühlt sich manchmal auch einsam. Doch das sollte meiner Meinung nach doch jeder Mensch mal erlebt haben! Es stärkt!

Das Cockpit von Balu (Foto: Marcus Breitfeld)

Das Cockpit von Balu (Foto: Marcus Breitfeld)

Aber um nochmal auf die Schwierigkeiten zurück zu kommen; wenn man tausende Kilometer entfernt von seiner sicheren Umgebung ist, in einem fremden Land mit einer riesigen Sprachbarriere, dann entstehen natürlich Schwierigkeiten. Hast du zum Beispiel Probleme mit deinem Bus, dann bist du erst einmal auf dich allein gestellt. Hilfe suchen ohne Sprache … gar nicht so einfach! Aber hey, wenn dich das abhält mit deinem Van loszufahren, dann solltest du dir erst gar keinen Bus kaufen! Sorry!

Was rätst du jemandem, der sich zum ersten Mal einen Van anschaffen will, um das Vanlife zu leben?

Marcus Breitfeld: Überlege dir, wie viel Kohle du zur Verfügung hast und in welche Richtung (also was für ein Gefährt – VW Bus, T3, LT etc.) du willst. Dann begib dich auf die Suche, der perfekte Begleiter wird dir dann begegnen, wenn es an der Zeit ist. So ist es bei Balu und mir auch passiert. Schon nach fast zwei Monaten Suche ist er mir begegnet und zack, ein paar Wochen später, war er meins. Wenn du nicht so viel Kohle zur Verfügung hast, aber trotzdem deinen eigenen Van haben möchtest, dann check doch mal den 1000 € Camper*  von Paul aus. Ein brillantes E-Book welches die von Grund auf alles erklärt, vor allem aber, worauf du zu achten hast.

 Wildcamping in Kroatien (Foto: Marcus Breitfeld)

Wildcamping in Kroatien (Foto: Marcus Breitfeld)

Was muss man beim Fahren beachten?

Marcus Breitfeld: Die meisten Vans, zumindest die älteren, sind sehr langsam. Das heißt, meist wird nicht viel schneller als 80 km/h gefahren. Also ist entspannen und entschleunigen angesagt. Fühle dich in deinen Bus hinein! Mein Balu beispielsweise ist mittlerweile 31 Jahre alt. Für ein Auto ein stattlicher alter Mann. Diesen sollte man nicht mehr quälen, sondern eher mit Gefühl behandeln. Ihn nicht bis ans Limit treten und lieber mal eine Pause mehr gönnen. Ich glaube fest daran, dass er es dir danken wird. Nicht umsonst wäre ich sechs Monate ohne Probleme durch die Welt gefahren mit meinem Balu! Ah ich liebe ihn einfach!!!

Wie ist dein Bus eigentlich ausgestattet? Und welche Ausstattung ist zwingend nötig und welche nicht?

Marcus Breitfeld: Mein Balu hat alles, was man für eine lange Reise im Van benötigt. Klar wäre weniger auch möglich, aber ich bin vollkommen zufrieden. Von einer kleinen Couch-Ecke, über Musik (sehr wichtig), einer guten Küche, einer Standheizung bis hin zur Toilette und Dusche, sogar mit warmen Wasser, wenn ich will. Du siehst, mein Balu ist dann doch eher die ‚Luxusklasse‘ unter den Vans. Aber dafür muss ich auch auf andere Dinge verzichten.

Marcus beim Reisen in Griechenland (Foto: Marcus Breitfeld)

Marcus beim Reisen in Griechenland (Foto: Marcus Breitfeld)

Doch das alles ist nicht wirklich nötig. Jeder muss tatsächlich selbst entscheiden, was ihm wichtig ist und was er benötigt. Als ich meinen Balu gekauft habe, war ich eigentlich auf einen T3 eingestellt. Das heißt auch viel weniger Platz, doch dann ist es eben mein Balu geworden und jetzt möchte ich ihn auf keinen Fall mehr missen!

Wie suchst du dir eigentlich einen geeigneten Standplatz? Bzw. worauf achtest du hier?

Marcus Breitfeld: Da ich meistens allein unterwegs bin (ohne Hund oder Begleitung), achte ich darauf, dass ich mich wohl fühle! Das ist meine Grundvoraussetzung. Finde ich keinen Platz in der Wildniss, wo das der Fall ist, dann gebe ich lieber mal ein paar Euros aus, um auf einem Campingplatz zu nächtigen. Aber das ist mittlerweile eher selten der Fall. Ansonsten trifft man immer wieder andere Van-Traveller, die einem Tipps geben. Des Weiteren gibt es diverse Apps, die wundervolle Stellplätze verraten: So beispielsweise ‚iOverlander‘ oder ‚park4night‘. Ich selbst habe auch ein paar meiner Wildcamping-Spots hier verraten.

 Vanlife-Community in Österreich (Foto: Marcus Breitfeld)


Vanlife-Community in Österreich (Foto: Marcus Breitfeld)

Den Bus einfach auf einem Parkplatz abstellen und „wildcampen“ ist aber doch vielerorts strafbar. Was für Tipps hast du hier?

Marcus Breitfeld: Strafbar hört sich so streng an. An vielen Orten ist es nicht erlaubt, an anderen aber trotzdem geduldet. Und ganz ehrlich ist es oftmals auch ein wenig Grauzone. In Deutschland darf man zum Beispiel bis zu zehn Stunden stehen bleiben, wenn man müde ist und nicht mehr fahrtüchtig ist. Ansonsten ist es gut vor Antritt der Reise zu schauen, in welchen Ländern das Wildcampen erlaubt ist oder eben nicht. Doch grundsätzlich kann ich sagen, dass – wenn du nicht gerade dein ganzes Campinggeschirr vor deinem Van ausbreiten solltest und es quasi nur dein Van ist, der dort steht – es normalerweise keine Probleme gibt. Wenn doch mal die Polizei kommt, dann ist meist die erste Instanz, einfach einen neuen Platz zum nächtigen suchen!

 Wildcamping in Kroatien (Foto: Marcus Breitfeld)


Wildcamping in Kroatien (Foto: Marcus Breitfeld)

Ein anderer Tipp, den ich geben kann: Versuche immer bei Tageslicht deinen Ort zu finden, wo du übernachten willst. So kannst du dich schon einmal umschauen und stehst nicht aus Versehen auf privatem Grund!

Du schwärmst auf deinen Social-Media-Kanälen immer von deiner Küche: Hast du Tipps? Was hast du immer dabei? Wie ist das mit dem Kühlen?

Marcus Breitfeld: Hahahaha, meine Küche ist einfach ein Traum! Ich glaube, dass die Vorbesitzer einfach auch nicht auf Kochen verzichten wollten und daher ist die Küche einfach brillant geworden. Ein Herd mit zwei Kochflächen, eine Spüle, ein Kühlschrank und ewig viel Stauraum. Aber was auf jeden Fall in meine Küche gehört sind zum einen Gewürze und zum anderen ein Wok! Ich liebe es einfach, im Wok zu kochen. Vor allem aber sind Gemüsepfannen (mein Lieblingsgericht unterwegs, in allen Varianten) einfach für einen Wok gemacht!

Balus Küche (Foto: Marcus Breitfeld)

Balus Küche (Foto: Marcus Breitfeld)

Wie knüpft man eigentlich Kontakte, wenn man immer im Van alleine unterwegs ist? Wie würdest du die „Vanlife-Commnity“ beschreiben?

Marcus Breitfeld: Ok, als erstes zur Vanlife-Community – die ist der Hammer und wächst und wächst und wächst! Es gibt kein Haten oder der Van ist scheiße! Jeder hat seinen eigenen Geschmack und jeder feiert den anderen, dass er tut, was sein Herz ihm sagt. Das mit dem Kontakte knüpfen ist ganz einfach: Man nickt sich zu und schon ist man im Gespräch. Vielleicht kommen auch Menschen auf dich zu und fragen dich nach deinem Van, denn fast jeder hat einmal den Traum gehabt, auch einen Bus zu besitzen und darum will jeder alles darüber wissen.

Die Vanlife-Community (Foto: Marcus Breitfeld)

Die Vanlife-Community (Foto: Marcus Breitfeld)

Eine kleine Anekdote von meiner letzten Reise dazu: Montenegro ist ein traumhaftes Land, welches jeder einmal gesehen haben sollte! Der Tara Canyon ist der zweittiefste Canyon der Welt, gleich nach dem Grand Canyon. Im Canyon, unterhalb der Tara-Brücke, gibt es einen kleinen Campingplatz. Diesen habe ich mir ausgesucht zu Nächtigen. Begleitet wurde ich zu dem Zeitpunkt von zwei deutschen Jungs, die mit dem Zelt in Montenegro unterwegs waren. Dort angekommen steht ein blauer T3 auf der Wiese, ganz allein.

Vanlife in Montenegro (Foto: Marcus Breitfeld)

Vanlife in Montenegro (Foto: Marcus Breitfeld)

Mein Herz schlug direkt schneller. Geiles Teil, Leute aus Berlin, entspannt. Kurze Zeit darauf kam ein Pärchen von einer Rafting Tour zurück. Wir kamen sofort ins Gespräch und quatschten. Die Zwei wollten eigentlich noch weiter, aber nach etwa einer Stunde quatschen über Gott und die Welt entschieden wir uns, gemeinsam zu kochen und den Abend mit Wein und viel Spaß am Lagerfeuer zu genießen. Dieser Abend war einer der schönsten auf meiner Tour und er spiegelt für mich in perfekter Form das Vanlife wieder!

Wohin werden Balu und du als nächstes reisen?

Marcus Breitfeld: Im März sind wir erst einmal ein wenig in Deutschland unterwegs, unter anderem auch in Berlin und Nürnberg. Ab Juli geht es dann für vier Monate auf „Life of Balu Tourteil 2“. Der Abschluss des Filmprojektes durch die skandinavischen Länder bis hoch zum Nordkap und dann hoffentlich auch die Nordlichter – unser Traum!

Vanlife in Montenegro (Foto: Marcus Breitfeld)

Vanlife in Montenegro (Foto: Marcus Breitfeld)

Genau am 17. Juli wird es von Berlin aus los gehen. Nach einem kleinen Meet-up ist die Überlegung, mit ein paar anderen Vans (wenn du Lust hast mitzufahren, dann schreib mir doch einfach eine Nachricht über meine Kontakt Seite auf Lifeofbalu.com oder schreib dich in meinen Newsletter ein) von Berlin nach Warschau zu fahren und das Ganze als eine Rallye zu veranstalten. Von Warschau wird es dann weiter über Litauen, Lettland und Estland nach Finnland gehen, bis wir das Nordkap erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß auf deiner Tour!

Ihr wollt mehr über Marcus und seine Abenteuer mit Balu erfahren? Schau auf seiner Homepage vorbei oder abonniert seine Instagram– und Facebook-Channels.

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