Wer bin ich? Wo komme ich her? Was ist Heimat? Und was hat das alles mit reisen zu tun? Gerade in Zeiten, in denen Unsicherheit und Angst vor Fremde die Medienwelt bestimmen, wird diese Frage immer öfters gestellt. Aber auch wir als Reisende haben diese Frage des Öfteren im Kopf. Deswegen wollen wir in diesem Sommer eine Artikel-Reihe starten, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzt.

Vom bayerischen Dorf nach Australien

Aufgewachsen bin ich mitten in Bayern, in einem kleinen Dorf. Direkt hinter unserem Haus haben Wald und Wiesen angefangen – dort verbrachte ich auch den Großteil meiner Kindheit. Ich bin im Dorf zur Grundschule gegangen, später dann auf das Gymnasium in der nächstgelegenen Kleinstadt. Doch schon bald merkte ich, dass ich raus will. Raus in die Welt. Einmal fand ich in einem Glückskeks einen vielsagenden Spruch: Du wirst du ganze Welt bereisen. Diesen Glückskeks-Spruch habe ich mir an ein Bücherregal in meinem Elternhaus geheftet – und dort hängt er immer noch.

Road Trip durch Australien (Foto: Adrienne Mountain)

Road Trip durch Australien (Foto: Adrienne Mountain)

Mein erstes Ziel war damals Australien – für acht Monate. Bis dato war meine Heimat immer das kleine bayerische Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Doch schon bald merkte ich, dass ich mich auch woanders zuhause fühlen kann. Bis heute ist Perth mein „second home“. Erst im letzten Jahr bin ich wieder dorthin zurückgekehrt – und habe mich dort zuhause gefühlt. Als ich damals mit 19 Jahren das erste Mal länger von Zuhause weg war, suchte ich in der Stadt etwas Vertrautes. Ich hatte Glück und meine damalige Chefin war für mich von Anfang an wie eine Freundin, zeigte mir die Stadt und half mir bei allen Herausforderungen. Sechs Monate habe ich in der Stadt gewohnt, habe mir einen Freundeskreis aufgebaut, habe mir zum erstem Mal eine Mietwohnung suchen müssen, habe zum ersten Mal einen Laden managen müssen und lebte das erste Mal in einer Großstadt. Perth ist also die Stadt meiner „ersten Male im Erwachsenenleben“.

Wahlheimat Salzburg

Doch es blieb nicht bei Perth. Kaum wieder zu Hause angekommen, ging es zum Studieren nach Salzburg. Das fünfte Jahr lebe ich nun dort, es ist zu meiner Wahlheimat geworden. Wenn ich in Salzburg bin und zu meinen Eltern fahre, dann sage ich, ich zwar immer noch, dass ich „heim“ fahre – aber bin ich dann bei meinen Eltern, sage ich „heim“ zu Salzburg. Zwar ist Heimat ist für mich in erster Linie der Ort, wo ich herkomme, die Gegend, in der ich geboren wurde, wo meine Familie ist. Aber auch Salzburg ist zu meiner Heimat geworden. Ich fühle mich hier wohl, werde akzeptiert und habe hier meine Freunde.  Es gibt einen bekannten Spruch, der heißt „Home is where my heart is“. Und das Heart habe ich definitiv an Salzburg verloren. 

Studierende in Salzburg (Foto: Werner Müller-Schell)

Studierende in Salzburg (Foto: Werner Müller-Schell)

Mein nächstes Zuhause in Windhoek

Das oberbayerische Dorf, die australische Großstadt, die österreichische Universitätsstadt – dabei ist es nicht geblieben. Im letzten Jahr verbrachte ich drei Monate im namibischen Windhoek. Ich habe dort in einer WG gelebt, gearbeitet und mich auch hier eingelebt. Anfangs war Windhoek zwar eine Stadt, die ich anfangs absolut nicht mochte, in der ich zum Beispiel mein Zuhause in Salzburg vermisste habe. Aber das hat sich schnell verändert, als ich mich eingelebt und auch hier Anschluss gefunden habe. Würde ich eines Tages dorthin zurückkehren, würde ich wohl eine Träne verdrücken. Auch Windhoek ist zu einer Heimat geworden.

Windhoek (Foto: Werner Müller-Schell)

Durch meine Reisen habe ich also gemerkt, dass es verschiedene Heimatgefühle gibt. Denke ich an den damaligen Spruch aus dem Glückskeks, der immer noch an meinem Bücherregal hängt, dann habe ich eines durch meine Reisen gelernt: Man kann an den verschiedensten Orten auf der Welt ankommen, sich willkommen und sich auch zuhause fühlen.