Rebecca habe ich in Namibia kennengelernt. Nach meinem Praktikum in Windhoek, hat sie meine Praktikumsstelle übernommen. Direkt in Namibia haben wir uns also zwar nicht getroffen, dafür aber in Salzburg. Sie erzählte mir einiges über ihre Reisen und darüber, wie ihr Partner Jannik das Reisen genauso liebt und demnächst eine Weltreise plant. Wie sie trotzdem gemeinsam die Welt entdecken, das beantworten uns die beiden in diesem Reiseporträt.

Wart ihr beide vorher schon Weltentdecker oder kam das erst mit der Beziehung?

Jannik: Ich war im August 2010 für eine Woche bei einem jugendpolitischen Forum in Seoul/Südkorea. In diesem kurzen Zeitraum kam ich in Kontakt mit hunderten jungen Menschen anderer Nationalitäten. Rückbezogen war das wohl der Auslöser für meine heutige, große Faszination an fremden Kulturen. Es folgten der Besuch eines in Südkorea neugewonnen Freundes in Marokko über Silvester 2012/2013, ein alleiniger Rucksacktrip nach Kenia 2013 und schließlich mein Erasmus-Semester in Istanbul/Türkei 2014.

Rebecca: Jannik ist außerdem vorher per Couchsurfing mit dem Backpack in Kenia unterwegs gewesen. Ich für meinen Teil habe mir eigentlich immer gewünscht, so reisen zu können – den Backpack umschnallen, zu Gast bei Fremden sein, ein Stück Freiheit genießen – aber mir fehlte schlichtweg der richtige Reisepartner dazu. Daher ergab es sich nachdem wir uns kennen gelernt hatten fast wie von allein und wir reisten bereits nach einem halben Jahr in die Türkei, wo Jannik sein Auslandssemester verbringen sollte.

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

 Was war euer besonderer Reisemoment?

Rebecca: Mein persönliches Highlight auf unseren bisherigen Reisen war eigentlich kein bestimmtes Ereignis oder ein bestimmter Ort, es war vielmehr ein bestimmter Tag, der mir in seiner Gänze im Gedächtnis geblieben ist. Wir waren auf Bohol, einer Insel der Philippinen, und hatten uns für den Tag einen Roller gemietet. Wir sind also mit diesem Roller einmal quer über die ganze Insel gefahren, haben die bekannten Chocolate Hills gesehen, konnten in einem Wildlife Resort Koboldmakis hautnah erleben und sind am Ende des Tages mit einer Zipline über ein Flusstal gesaust.

Rebecca (Foto: Rebecca Strauch)

Rebecca (Foto: Rebecca Strauch)

Unter Anderem war Rebecca für eine längere Zeit in Namibia, um dort ein Praktikum zu machen: Wie ist es, länger getrennt zu sein, wenn einer von euch beiden unterwegs in der Welt ist?

Jannik: Bereits kurze Zeit nach unserer ersten Begegnung verließ Rebecca Aachen und zog für ihr Studium nach Mannheim; ich ging wenig später dann ja nach Istanbul. Mit anderen Worten waren wir immer schon räumlich getrennt und haben noch nie langfristig in derselben Stadt gewohnt.

Rebecca: Ich glaube, dass gerade die Entfernung uns dazu gebracht noch mehr zu reisen, um so den anderen überhaupt sehen zu können. Ganz wichtig ist dabei, eine ständige Kommunikation aufrecht zu erhalten, was im Fall von Namibia aufgrund von schlechter Internetverbindung manchmal nur schwer umzusetzen war.

Sunset in Windhoek (Foto: Werner Müller-Schell)

Sunset in Windhoek (Foto: Werner Müller-Schell)

Ihr seid trotzdem auch viel gemeinsam unterwegs. Wie ist es zu zweit zu reisen?

Rebecca: Ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass man auch mal ohne den Anderen unterwegs sein kann oder sich zurückzieht, um ein Buch zu lesen etc. Das entspannt manchmal die Situation am besten und am Ende des Tages ist man immer froh, zu zweit unterwegs zu sein.

Jannik: Da ich vor unserer ersten gemeinsamen Reise bereits alleine einiges an Reiseerfahrung mit dem Rucksack sammeln konnte, weiß ich mittlerweile ganz gut, was für mich die Vor- und Nachteile des alleinigen Reisens und das des Reisens zu zweit sind. Während man als Alleinreisender viel offener und kontaktfreudiger gegenüber anderen Reisenden oder Einheimischen ist, neigt man bei Reisen zu zweit dazu, dass man mehr „unter sich“ bleibt. Der große Vorteil aber ist natürlich, dass man jemanden hat, mit dem man die Erinnerungen noch Jahre danach teilen kann. Gleichzeitig kann man sich gegenseitig helfen und unterstützen, wenn einer von beiden krank ist oder ein Tief hat.

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

Wenn ihr gemeinsam reist: Wie ist das, wenn man 24 Stunden zusammenhängt?

Rebecca: Einfach mal nicht 24 Stunden zusammen sein.

Jannik: Es bedarf in der Tat einer gehörigen Portion von Kompromissbereitschaft und Gutmütigkeit, um es 24 Stunden dauerhaft mit ein und derselben Person auszuhalten.

Was ist für euch das Besondere am Reisen?

Rebecca: Was für mich unsere Reisen ausmacht, ist auf jeden Fall, dass wir zu zweit unterwegs sind. Meist übernimmt Jannik die große Planung der Routen und der Hostels oder Couchsurfer von zu Hause aus. Unterwegs suche ich dann ab und an die Hostels heraus, da wir unser Routing unterwegs immer mal wieder ändern. Aber wir wissen, dass wir uns zu 100 Prozent auf den anderen verlassen können und es erleichtert uns das Reisen ungemein.

Zu zweit unterwegs (Foto: Rebecca Strauch)

Zu zweit unterwegs (Foto: Rebecca Strauch)

Jannik: Reisen ist für mich eine Art von Langzeitdroge. Ich brauche sie nicht ständig, halte es auch einige Wochen ohne sie aus, bin aber dauerhaft ohne sie nicht lebensfähig. Reisen erweitert mein Leben, meinen Charakter und meine Sicht auf die wichtigen Dinge des Lebens. Das Reisen, insbesondere das minimalistische Reisen, gibt mir Einsicht in den Alltag meiner Mitmenschen außerhalb Deutschlands. Es ermöglicht mir jedes Mal meine eigenen Vorurteile abzubauen und noch ein Stück weltoffener zu werden.

Welche Erfahrungen nehmt ihr auf euren Reisen mit?

Rebecca: Ich habe für mich ganz klar eine Art von Großherzigkeit in den Menschen entdeckt, wie ich sie in Deutschland wahrscheinlich nicht kennen gelernt hätte. Wir sind einmal an der Schwarzmeerküste der Türkei entlang getrampt und sind im Supermarkt auf eine Deutschtürkin gestoßen. Nach einer kurzen Unterhaltung hat sie uns dann zu sich nach Hause eingeladen, wo sie gefühlt alles auftischte, was sie im Haus hatte. Diese Art von Großzügigkeit und Selbstlosigkeit würde ich mir gerne selbst bewahren.

Jannik: Reisen bildet. Würden insbesondere die Menschen, die sich hier in Deutschland über ihre „schlechte“ Lage dauernd beklagen mal außerhalb Deutschlands reisen (es reicht schon Osteuropa), so würden sie endlich mal bemerken, wie gut es ihnen hier in Deutschland geht.

Der Süden Namibias (Foto: Sabina Schneider)

Der Süden Namibias (Foto: Sabina Schneider)

Erinnerst du dich dabei an eine spezielle Situation?

Jannik: Konkret erinnere ich mich immer wieder an ein Erlebnis zurück, das ich während meiner alleinigen Rucksack-Reisen in der Türkei 2014 hatte: Ich befand mich irgendwo tief in der Osttürkei/Kurdistan nahe der iranischen Grenze und war bis dahin mittels Trampen von Familien, LKW-Fahrern oder Lokalbussen unentgeltlich mitgenommen worden. Nachdem ich an einem Tag bereits knapp 100 Kilometer zurückgelegt hatte, wurde ich an einer Abzweigung mitten im Nichts rausgelassen, da der Fahrer in eine andere Richtung fuhr. An für sich kein Problem, es war gerade erst 13 Uhr und ich war zuversichtlich, dass ich schon noch von dort weiterkommen würde. Immerhin hatte ich kein Zelt dabei und war schlichtweg auf eine Nacht im Freien nicht vorbereitet (zu der Zeit kühlte es sich dort nachts stark ab).

Als es gegen 17 Uhr bereits dunkel wurde und seit vier Stunden kein einziges Auto in der weiten Ferne sichtbar war, bekam ich so langsam Muffensausen und fragte mich, ob es nicht zu abenteuerlich war in dieser Region alleine und ohne der Sprache wirklich mächtig unterwegs zu sein.

Es endete, wie ich niemals erwartet hatte: Gegen 18 Uhr und in völliger Dunkelheit nahm mich eine Kopftuchtragende 19-jährige junge Frau mit, die alleine mit dem Auto ihres Vaters auf dem Weg nach Hause war. Es folgte ein unvergesslicher, geselliger Abend mit Cay (türkischem Tee), der ein oder anderen Zigarette und einem warmen Schlafplatz.

Wo wart ihr schon überall?

Jannik: Unsere erste Reise war damals die Ägäis Küste der Türkei Anfang 2014 vor dem Beginn meines Auslandssemesters in Istanbul; es folgten die türkische Schwarzmeerküste und Israel (2014), Uruguay und Argentinien (2015) sowie die Philippinen, Singapur, Hongkong und Japan (2016).

Worauf kommt es bei der Wahl eines Ziellandes an?

Rebecca: In erster Linie haben wir Länder bereist, zu denen günstige Flugverbindungen angeboten wurden. Diese Methode hat uns eigentlich bisher überall hingebracht, da wir uns vorher nicht festgelegt haben, wohin wir eigentlich wollten. Allerdings versuchen wir soweit wie möglich berühmte Anziehungsorte für Touristen zu vermeiden, um einen möglichst authentischen Eindruck von dem Land zu erhalten.

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

Rebecca und Jannik (Foto: Rebecca Strauch)

Jannik: Authentisch muss das Zielland sein, abseits vom touristischen Mainstream, auch vom Backpacker-Mainstream. Innerhalb der Länder bin ich immer unter Einheimischen unterwegs, ich brauche keine Extraklasse oder Sonderbehandlung für Ausländer/Touristen. Kulturell sollte auch ein Unterschied zu Deutschland/Westeuropa bestehen, denn das macht bei mir erst den Kick aus. Im Übrigen ist die Sprache in dem jeweiligen Land das letzte Hindernis; man kann alles vor Ort lernen und das Reden mit Händen und Füßen hat sich bei mir schon ausreichend bewährt, egal auf welchem Kontinent ich war.

Gab es auch schon extreme Grenzerfahrungen?

Jannik: Beispielsweise 2013 als ich alleine Couchsurfen in Kenia war und es dort zu einem Terroranschlag kam, der das Land von jetzt auf gleich ins Wanken gebracht hat. Man lernt daraus, aber ändern tut sich dadurch nichts – außer das meine Gelassenheit zugenommen hat. Vertrauen in sein eigenes Bauchgefühl und in das Wohlwollen deiner Mitmenschen, so fremd sie dir auch noch so sein mögen, sind das Fundament meiner Reisen.

Seid ihr eher Backpack- oder Kofferreisende?

Rebecca: Definitiv Backpack-Reisende! Ich kann mir nichts Lästigeres vorstellen als mein Köfferchen durch entlegene und nicht asphaltierte Straßen zu ziehen. Man ist viel schneller und flexibler unterwegs, kann besser Treppen steigen oder auch mal dem Bus hinterherlaufen.

Chinesische Architektur mitten in Japan. (Foto: Marina Hochholzner)

Chinesische Architektur mitten in Japan. (Foto: Marina Hochholzner)

Die Inselfrage: Was muss auf Reisen bei euch immer mit?

Rebecca: Ein Backpack beschränkt die Auswahl an Dingen: : Man reduziert auf das Notwendigste. Was neben Dokumenten und Kleidung auf jeden Fall immer dazugehört – und da bin ich recht pragmatisch – ist das Handy.

Jannik: Ich bin ein reiner Individualreisender: Mein Rucksack, Schlafsack und mein Smartphone mit Offline-Karten reichen mir. Trinkflasche und Kopfbedeckung noch und ich bin glücklich. Alles andere kann man auch unterwegs kaufen.

Welche Reiseziele stehen auf eurer Bucketlist? Welche davon werdet ihr gemeinsam bereisen?

Rebecca: Mal abgesehen von Janniks Weltreise, plane ich natürlich ihn zwischendurch in einigen Ländern zu besuchen. Ansonsten gilt: Urlaubspiraten und Co. haben immer mal wieder gute Angebote, wenn man die Zeit und die nötige Flexibilität hat, können tolle Reisen sehr spontan entstehen.

Jannik: Nach derzeitigen Planungen steht dieses Jahr ein neuer großer Schritt für mich an:
Ich plane zurzeit nach dem Abschluss meines Masterstudiums im Oktober dieses Jahres alleine auf Weltreise zu gehen. Ziel soll es sein alle Kontinente (bis auf die Antarktis, die ich mir für später aufhebe, wenn ich dann doch ein größeres Budget habe) zu besuchen. Daher ist schon seit knapp anderthalb Jahren stetiges Sparen angesagt, um dem Traum einer solchen Reise realisieren zu können. Die Reise soll ein Zeichen für Toleranz und Völkerverständigung setzen, an dessen Ende ein Film über die Vielfältigkeit unserer Welt entstehen wird.

Zu zweit unterwegs (Foto: Rebecca Strauch)

Zu zweit unterwegs (Foto: Rebecca Strauch)

Mehr zu Janniks Weltreise könnt ihr bald auf seiner Facebookseite Widenyourmind lesen. Wer ihn bei seinem Traum von einem Film zum Thema „Völkerverständigung“ unterstützen will: Hier seine Startnext-Kampagne.