„Reisen ist für mich, das Privileg zu haben, neugierig sein zu können und andere Kulturen, Landschaften und Lebensweisen kennenzulernen“, sagt Nora Zacharias. Von Bolivien bis Russland, von China bis Vietnam – mit ihren 27 Jahren ist die Studentin aus München schon viel in der Welt herumgekommen . Mehr als 20 Länder auf drei Kontinenten hat sie bereits besucht (auf unserem Blog könnt ihr unter anderem ihren Trip mit der Transsibirischen Eisenbahn nachlesen). Im Interview gab uns Nora einen Einblick in ihr Reiseleben, ihre Motivation, die Koffer zu packen, ihr bisherigen Erfahrungen abroad und welche Trips sie in Zukunft plant.

Du bist ganz schön viel unterwegs. Warst du eigentlich schon immer eine Weltentdeckerin?

Nora Zacharias: Ich bin Pfadfinderin, seitdem ich acht Jahre alt bin und war schon schon in jungen Jahren mit den Pfadis auf Zeltlagern und Reisen in anderen Ländern. Unterwegs sein hat mir schon immer gefallen. Die richtige Reiselust hat mich aber erst nach meiner ersten Bolivien-Reise mit 18 Jahren gepackt. Dieses erste große richtige Abenteuer in einer vollkommen anderen Welt hat mich so geflasht, dass ich danach nicht mehr aufhören konnte weiterzumachen. Aus Reiselust wurde so eine Reisesucht.

Mit Atemmaske in Shanghai (Foto: Nora Zacharias)

Bolivien mit 18 hört sich sehr spannend an. Was hast du dort alles erlebt?

Bolivien war meine erste Reise außerhalb Europas. Es war einfach ein Kulturschock, jedoch ein sehr positiver. Ich war dort mit einer Delegation der Pfadfinder (wir waren acht Leute) und wir haben dort bolivianische Pfadfinder in Potosi besucht und an einem Umweltprojekt mitgearbeitet. Gewohnt haben wir bei bolivianischen Familien und waren dort nur mit den Einheimischen auf Reisen. So nahe war ich einer Kultur auf keiner anderen Reise mehr und habe Freundschaften geschlossen, mit denen ich nach neun Jahren noch immer Kontakt habe.

Wohin bist du sonst schon überall hin gereist?

In Südamerika waren es Bolivien und Peru. In Asien China, einige Länder Südostasiens sowie Russland und die Mongolei. Und in Europa bin ich auch schon ganz schön herumgekommen. Das liegt auch daran, dass meine Tante in London und mein Onkel in Rom lebt.

Bolivien (Foto: Richard Zacharias)

Bolivien (Foto: Richard Zacharias)

Insgesamt hast du bereits über 20 Länder/Regionen bereist. Wohin würdest du gerne noch einmal zurück?

Ich finde das alle Reisen auf ihre Art und Weise beeindruckend waren! Aber am Liebsten würde ich tatsächlich gerne noch einmal Bolivien besuchen. Diese Reise ist jetzt schon neun Jahre her und ich bin damals sehr naiv an dieses Land herangetreten und würde gerne noch einmal die Möglichkeit haben dorthin zurückzukehren und diese Land mit anderen „älteren Augen“ zu erleben.

Sibirien, Lateinamerika – gab es bei deinen Abenteuern nicht auch Momente, die schwierig waren?

Natürlich gab es die, diese gibt es auf jeder Reise. Ich saß schon heulend im Nirgendwo, meine Kreditkarte funktionierte nicht und die Landessprache konnte ich auch nicht. Ich habe dann gar nichts mehr gemeistert, sondern mir haben immer andere Menschen geholfen, denen ich sehr dankbar bin. Sich in solchen Momenten zusammenzureißen, treiben zu lassen und Fremden zu vertrauen hat mich aus diesen Situationen immer gerettet. Im Nachhinein kann man über solche Geschichten dann lachen.

Flying Fox auf Bohol (Foto: Nora Zacharias)

Flying Fox auf Bohol (Foto: Nora Zacharias)

Auf unserem Blog hast du unter anderem bereits über deinen Trip mit der Transsibirischen Eisenbahn berichtet. Wie war dieses Erlebnis für dich?

Die transmongolische Eisenbahn war anfangs nur der Weg zu unserem eigentlichen Ziel China, wo ich ein Auslandssemester absolvierte, und am Ende war es einer der aufregendsten Reisen, die ich jemals gemacht habe. Die sibirische und mongolische Winterwelt kennenzulernen war atemberaubend und abenteuerlich, da ich an meine persönlichen Grenzen gekommen bin. Für mich war es zum Beispiel wahnsinnig schwer dreieinhalb Tage in einem Zugabteil zu sitzen. Außerdem war es wahnsinnig kalt, in der Mongolei hatten wir in sechs Tagen nur einmal die Möglichkeit zu duschen und und und … aber genau das hat es zu einem unvergesslichen Abenteuer gemacht!

Wie schaffst du es eigentlich, dir deine Reisen während des Studiums zu finanzieren?

Ich finanziere mir meine Reisen durch Jobs neben dem Studium. Ich arbeite etwa 15-20 Stunden nebenher, lebe in einer WG und brauche sonst nicht viel Geld. Zusätzlich arbeite ich auf Messen, was einem sofort viel Geld einbringt. Das übriggebliebene Geld gebe ich für Reisen und Ausflüge aus. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten: Beim MCM Programm, dem Austauschprogramm der Uni Salzburg mit der Fudan University in Shanghai, habe ich ein Stipendium bekommen. Mit diesem konnte ich mir den Flug und die Unterkunft leisten. Den Rest habe ich mit Ersparten bezahlt. Ich muss aber auch zugeben, dass mich schon oft Familie und Freunde aus finanziellen Nöten auf Reisen retten mussten und mir spontan Geld geliehen haben, wofür ich sehr dankbar bin. Das habe ich Ihnen dann in den Monaten nach der Reise zurückgezahlt.

Studieren in Shanghai (Foto: Nora Zacharias)

Studieren in Shanghai (Foto: Nora Zacharias)

Was hast du auf deinen bisherigen Reisen gelernt?

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte warum er reist. Das habe ich gelernt und diese Geschichten auch kennengelernt!

Kannst du eine dieser Geschichten erzählen?

Ich habe ich einen jungen Mann in Kambodscha kennengelernt, der ein sehr erfolgreicher Anwalt in London war und sehr viel Geld hatte. Irgendwann hat er gemerkt, dass ihn das alles nicht glücklich macht. Er hat seinen Job gekündigt und ist auf die Reise nach seinem Glück gegangen. Ich habe aber auch Menschen getroffen, die auf Grund eines schweren Schicksalsschlages oder des Verlustes eines wichtigen Menschen auf Reisen gegangen sind, um diesen zu verarbeiten und das eigene „kurze Leben“ so zu leben, wie sie wollen. Andere reisen aus Neugier, andere flüchten vor Situationen in ihrem aktuellen Leben. Jeder hat eine Geschichte warum er unterwegs ist!

Auf dem Vulkan Rinjani auf Lombok (Foto: Nora Zacharias)

Auf dem Vulkan Rinjani auf Lombok (Foto: Nora Zacharias)

Was macht für dich einen besonderen Reisemoment aus?

Wenn ich mit den richtigen Leuten, am richtigen Ort bin und mich einfach nur frei und glücklich fühle – das ist der perfekte Reise-Moment!

Ein ganz anderes Thema: Was darf eigentlich in deinem Reisegepäck nicht fehlen?

Feuchttücher und Trockenshampoo. Ich denke, wenn man sich auf richtige Abenteuer begibt, weiß man nie, wann es die nächste Dusche gibt [lacht].

Beim Wings for Life World Run in Taipeh (Foto: Nora Zacharias)

Beim Wings for Life World Run in Taipeh (Foto: Nora Zacharias)

Was sind deine nächsten Reiseziele?

Ich werde im Februar 2017 nach Kenia fahren und dort drei Wochen auf Safari sein. Ich möchte dort hin, weil ich noch nie in Afrika war, einen großen Respekt vor diesem Land habe und mich überwinden will. Außerdem ist in dieser Zeit Babytierzeit.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Pandas in Chengdu, China (Foto: Nora Zacharias)