Die Weiten Islands. Gründe Hügel, schroffe Klippen, unvergessliche Küstenlinien, unglaubliche Wasserfälle: Wie bereits in meiner Kolumne angekündigt, unternahm ich zum Abschluss meines Erasmus-Semesters in Island gemeinsam mit meiner Familie eine Rundreise über die gesamte Insel. Meine Eltern und mein kleiner Bruder holten mich in Akureyri mit dem gemieteten Wohnmobil ab und dann ging es auch schon Richtung Mývatn.

Am Godafoss (Foto: Adriana Gartenmeier)

Am Godafoss (Foto: Adriana Gartenmeier)

Die erste Station: ein Wasserfall. Wild und ungestüm peitschen die Wassermassen am Godafoss die Klippen hinunter. Ich war hier schon einige Wochen zuvor im Winter unterwegs, wenn Schnee und Eis die Naturgewalten bedecken. Unglaublich schön! Schon hier herrscht Landschaftlich ein Hauch von Game of Thrones. Konkret wird dieser an der Grjótagjá, der sogenannten Jon Snow Cave, die auch einen sehr kleinen See enthält.

Ein Bad in der Jon Snow Cave

Durch ein Erdbeben ist die einst beliebte Badestelle gefährlich geworden, da Steine herunterfallen können aber auch die Wassertemperatur angestiegen ist und nicht mehr gleich bleibt. 43 bis 46 Grad Celsius herrschen dort nun – für mich jedoch kein Grund, auf das Gefühl, das klare Wasser am eigenen Körpers zu spüren, zu verzichten.

Die Jon Snow Cave (Foto: Adriana Gartenmaier)

Die Jon Snow Cave (Foto: Adriana Gartenmaier)

Der Dettifoss, ein weiterer mächtiger Wasserfall, ist unser nächster Stopp. Er ist der mächtigste Wasserfall Europas. Wir halten uns nur kurz dort auf, zu tief ist der zu durchwandernde Schnee. Im Eiltempo geht es weiter nach Àsbyrgi. In diesem Naturschutzgebiet beziehungsweise Nationalpark verbringen wir auch die erste Nacht im Camper.  Àsbyrgi, oben im Norden, ist berühmt für die Formen im Gestein. Odins Pferd soll dort eines Tages auf die Erde gekommen sein. Bestimmt ist dies von oben besser zu erkennen, aber auch die circa 100 Meter hohen Felsen haben etwas Mystisches.

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmeier)

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmeier)

Whale Watching vom Camper aus

Eines der imposantesten Tiere der Faunas Island? Wale! Sie durchstreifen Islands Meere, anmutig und groß. Von Àsbyrgi aus geht es über Husavík, der Wahle Watching Hauptstadt Islands nach Egilsstadir.Vom Camper aus sehen wir die riesigen Tiere im Meer! Ein weiteres Highlight hier ist das viele Treibholz, das Reiseführern nach aus Sibirien angespült kommt und nahezu auf unserer ganzen Fahrt an diesem Tag an der Küste zu sehen ist.

Irgendwo bei Egilsstadir (Foto: Adriana Gartenmeier)

Irgendwo bei Egilsstadir (Foto: Adriana Gartenmeier)

Von Egilsstadir geht es nach einem kleinen Zwischenstopp im Hot Pot (noch so eine tolle Besonderheit Islands!) bei Djúpivogur nach Höfn auf den nächsten Campingplatz. Wunderschön ist die Landschaft hier: der Blick auf die Berge, das Meer und die vielen Gletscherzungen. Meiner Meinung nach einer der schönstenCampingplätze unserer Reise.

Blick vom Campingplatz Hoefn (Foto: Adriana Gartenmeier)

Blick vom Campingplatz Hoefn (Foto: Adriana Gartenmeier)

Die Gletscherlagune Joekulsárlón

Von Höfn aus geht es in Richtung Vík í Mýrdal. Auf unserem Weg kommen wir an der wunderschönen Gletscherlagune Joekulsárlón vorbei, die sicherlich eines der spektakulärsten Fotomotvie Islands ist. Ein mutiger Tourist traut sich sogar ins frisch abgeschmolzene Wasser! Mir genügt da dann doch ein Foto der Lagune. Die Aussicht ist umwerfend: Das Eis knirscht und der Kontrast des blauen Himmels und der winterlichen Landschaft ist einmalig.

Die Gletscherlagune Joekulsárlón (Foto: Adriana Gartenmaier)

Die Gletscherlagune Joekulsárlón (Foto: Adriana Gartenmaier)

Kurz danach erreichen wir den Skaftafell Nationalpark, der zum Wandern und Entdecken einlädt, aber auch einen Platz zum Campen und geführte Gletschertouren anbietet. Ich entscheide mich für das Wandern: Von oben erkennt man, warum das Gebiet “Oeraefi”, also Einöde heißt, denn nach den kleineren Wasserfällen Magnusarfoss und Hundafoss sowie der Hauptattraktion im Park, dem Svartifoss (aufgrund seines Hintergrundes, den schwarzen Basaltsäulen, auch schwarzer Wasserfall genannt) sieht man kaum noch Wanderer und wenn man dann allein einen weiteren Weg zurückschlendert, wird einem die Weite und Schönheit Islands noch einmal mehr bewusst.

In der Einöde (Foto: Adriana Gartenmaier)

In der Einöde (Foto: Adriana Gartenmaier)

Am Kap Drýholaey

Nach einer kurzen Nacht in Vík fahren wir zum Kap Drýholaey, das zu meinem Erstaunen viel leerer und leiser ist als bei meinem letzten Besuch. Das Meer ist so still, dass man wirklich nachvollziehen kann, warum einige Touristen die Wellen und den Wind und vor allem den Wetterwechsel auf der Insel unterschätzen. Ein an diesem Tag einsamer Fleck: der schwarze Strand, der Wind, die kalten Felsen. Einsam, aber unvergesslich.

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Ein bekanntes Fotomotiv Islands ist auch das im zweiten Weltkrieg verunglückte Flugzeugwrack auf der Ringstraße nahe dem Kap. Für uns gibt es leider kein Foto hier: Ein französisches Filmteam ist da und nutzt die Sehenswürdigkeit als Kulisse. Ich empfehle aber jedem, der einmal Island besucht und auch Richtung Vík und dem Eyjafjallajoekull fährt, das Wrack zu bestaunen, da es von der Ringstraße aus nur ein paar hundert Meter zu Fuß sind. Auch einige Radfahrer sollen dort manchmal übernachten.

Die Gletscherzunge Sólheimarjoekull

Dieser Punkt auf meiner To-do-List wird also nicht erfüllt, aber glücklicherweise wird mir ein Erlebnis zu teil, an dessen Erfolg ich schon gar nicht mehr geglaubt habe. Und zwar wandern wir zur Gletscherzunge Sólheimarjoekull. Vor einem Gletscher wie diesem fällt einem einmal mehr auf, wie klein und schwach wir doch sind und wie viel kraft in der Natur steckt.

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Nach einem kurzen Besuch beim Skógafoss und dem Eyjafjallajoekull Eruption Visitor Center legen wir einen Stopp beim Seljalandsfoss ein. Da ich bei meinem letzten Besuch dort leider unwissentlich einen versteckten Wasserfall ausgelassen habe, hole ich das sofort nach und laufe zum Gljúfrabúi, den man nur durch einen kleinen Spalt in den Felsen durch das Wasser erreichen kann. Dieser Wasserfall gehört zu einem der schönsten, den ich in Island gesehen habe! Ich habe das Glücke, als Einzige in der Höhle mit geöffnetem Dach zu sein, sodass ich den Anblick, die rauschenden, herabstürzenden Fluten, noch viel besser genießen kann!

Island und das extreme Wetter

Nach dem Camping in Selfoss geht es in Richtung Westen. Leider müssen wir einen Zwischenstopp bei Manudarnes einlegen, da für die Westfjoerde und die Peninsula Snaefellsnes, die als nächstes geplant sind, eine Unwetterwarnung durchgegeben wird. Das ist übrigens nichts Seltenes in Island: Aufgrund der extremen Witterungsbedingungen haben die Behörden sogar ein Online-Portal eingerichtet, auf dem man sich stets über die Straßenverhältnisse informieren kann.

Snaefellsnes (Foto: Adriana Gartenmeier)

Snaefellsnes (Foto: Adriana Gartenmeier)

Glücklicherweise – zumindest in diesem Fall – ändert sich ja das Wetter in Island recht schnell, sodass die Warnung aufgegeben bzw. um einen Tag verschoben wird. Der Snaefellsnes-Rundfahrt steht nichts mehr im Wege: An Arnarstapi, dem Malarrif vorbei hinauf zu Hellisandur, Rif und Ólafsvík und dem Kirkjufell wieder hinunter nach Eldborg bzw. Snorrastadir auf den Campingplatz. Snaefellsnes ist definitiv einen Besuch wert, jedoch ist das Wetter dort meistens nicht gerade erfreulich: viel Regen, Wind und Nebel. Jedoch macht der Anblick von Malarrif und dem schönen Kirkjufell die Fahrt wieder wett.

Malarrif (Foto: Adriana Gartenmeier)

Malarrif (Foto: Adriana Gartenmeier)

Finale in Glymur

Von Snorrastadir fahren wir zum Glymur, wo ich dem Entdecker- und Abenteuerkind in mir freien Lauf lassen kann: Über Steine und Moos geht es zu einer Baumstammbrücke, die es zu überqueren gilt, dann durch eine Steinhöhle hindurch und hoch hinauf auf Felsen, bei dem es bei einem falschen Schritt in den Abgrund gehen würde. Glymur galt bis 2010 mit 198 Metern Fallhöhe des Wassers als der höchste Wasserfall Islands, wurde dann aber vom Magnúsfoss mit 227 Metern abgelöst.

Ermüdet von der Abenteuerwanderung bin froh um einen heißen Kaffee im Camper, während wir den letzten Campingplatz, Sandgerdi hinter Keflavík, ansteuern.

Hier wird mir noch einmal bewusst, wie gut, warm und luxuriös ich es im Wohnmobil habe, denn viele Touristen machen eine Fahrradtour und zelten bei Wind und Wetter draußen. Am nächsten Tag ist dann der Trip schon wieder vorbei: Wohnmobil abgeben, Sachen packen, ins Hotel fahren, noch eine sehr kurze Nacht dort verbringen und in der Früh um vier Uhr nach einem kurzen Frühstücke zum Flughafen Keflavík fahren, bei dem man die vielen Touristen, die Island mehr und mehr entdecken wollen, wirklich spürt.

Island, ich komme wieder!

Mein Fazit, das ich nach knapp einem halben Jahr Island und einer neuntägigen Rundfahrt sagen kann ist, dass das Land von Feuer und Eis wirklich einiges zu bieten hat uns es kein Wunder ist, dass viele Filme und Serien dort gedreht werden.

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Klar gibt es auch negative Seiten an Island: den Walfang beispielsweise, der noch ausgeübt wird. Oder der hohe Energieverbrauch pro Kopf. Auch die Mentalität mancher Isländer, sich wenig um die Umwelt zu kümmern – manchmal werden Zigaretten per Taxi nach Hause bestellt, um das Haus nicht verlassen zu müssen – ist in diesem Kontext zu nennen. Die vielen schönen Eindrücke überwiegen allerdings deutlich: Es ist ein so wunderschönes Land, bei dessen Besuch man wirklich manchmal anfangen möchte, an Trolle oder Elfen zu glauben.

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)

Eine Rundreise durch Island (Foto: Adriana Gartenmaier)