Einerseits fühlt sich mein Auslandssemester an wie ein Traum, wie eine entfernte Erinnerung, und andererseits kommt es mir vor, dass ich gerade erst aus dem Flieger aus Spanien gestiegen bin. Seit drei Monaten bin ich nun zurück in Österreich, und eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es war eine unvergessliche Zeit!

Meine Rückkehr nach Österreich bzw. Deutschland gestaltete sich ein wenig bedrückend: Stieg ich noch bei einem wunderschönen Sonnenaufgang in meinem Sommerkleid in Barcelona in den Flieger, erwartete mich strömender Regen und 16 Grad bei meiner Ankunft am Flughafen in München. Das war dann doch ein etwas  unerfreuliches Willkommensgeschenk, denn dieser Regen hielt auch gleich für fünf ganze Tage an.

Erinnerungen an Saragossa (Foto: Marie Goltermann)

Erinnerungen an Saragossa (Foto: Marie Goltermann)

Genauso wie es ein paar Wochen gedauert hat, bis ich mich in Spanien eingelebt hatte, so hat es auch zurück in Österreich etwas an Wiedereingewöhnungszeit bedurft. Dies hat mir aber nur gezeigt, wie anpassungsfähig man doch ist und wie schnell etwas Neues zu einer Gewohnheit werden kann – und sei es nur das Abendessen um 22 Uhr oder das Einhalten von einer kleinen „siesta“ am Nachmittag.

Las Fiestas del Pilares

Mitte Oktober hat es mich dann noch einmal nach Saragossa verschlagen, allerdings nur für eine Woche, um den „Fiestas del Pilares“ beizuwohnen. Ich hätte die Stadt fast nicht wiedererkannt: ganz Saragossa ist zu dieser Zeit wie ein ein Festival, acht Tage lang wird in jeder Ecke der Stadt gefeiert. So voller Menschen habe ich Saragossa noch nie gesehen.  Konzerte, Umzüge, Tänze – von traditionellen Festlichkeiten bis hin zu wilden Partynächten (es gibt es auch ein Oktoberfest) – für jeden ist etwas dabei.

Plaza del Pilar (Foto: Marie Goltermann)

Plaza del Pilar (Foto: Marie Goltermann)

Höhepunkt der „Fiestas del Pilares“ ist jedes Jahr am 12. Oktober. An diesem Tag wird die Statue der „Virgen del Pilar“ aus der Basilika auf den riesigen Platz auf einem Gerüst aufgebaut und die Menschen bringen, meist in traditionellen Gewändern gekleidet, Unmengen an Blumen. Ein wirklich eindrucksvoller Anblick.

Warum Erasmus?

Ein Auslandssemester ermöglicht auf eine ganz besondere Art und Weise, ein Land kennen zu lernen. Nicht nur, dass man seinen Lebensmittelpunkt für eine gewisse Zeit an einen neuen und bislang unbekannten Ort verlagert, man trifft danke des Erasmus-Programms auf Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Ländern. Diese bunte Vielfalt an Nationalitäten gehört für mich zu den Vorteilen eines Auslandssemester, obwohl dieser „clash of cultures“  natürlich auch zu dem einen oder anderen Missverständnis führen kann, was sich aber meist mit etwas Humor lösen lässt und einem bei weiteren Reisen nur von Vorteil ist.

Erasmus in Saragossa (Foto: Marie Goltermann)

Erasmus in Saragossa (Foto: Marie Goltermann)

Was mir mein Auslandssemester rückblickend gebracht hat? Abgesehen von großartigen Erfahrungen, neuen Bekanntschaften und Freunden, ereignisreichen Ausflügen und Reisen, Verbesserung meiner Spanisch- sowie Englischkenntnisse und einer Vielzahl an wundervollen Erinnerungen? Ich habe mich selbst besser kennen gelernt, wurde mit meinen Schwächen konfrontiert und konnte über mich selbst hinauswachsen und mich weiterentwickeln, wie ich es in meine Heimat sicher nicht getan hätte.

Once Erasmus, always Erasmus

Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen:  Macht ein Auslandssemester! Wenn ihr schon darüber nachgedacht habt und euch nicht sicher seid – wagt es, es wird sich auszahlen. Ich habe diese Entscheidung bis zum Ende meines Studium hinausgezögert und bin unglaublich froh,  mich doch noch dafür entschieden zu haben. Und auch wenn ich zuvor jeden ein wenig belächelt habe, der gemeint hat, das Auslandssemester war die beste Zeit seines Lebens, gehöre ich nun selbst zu jenen, die gar nicht mehr aufhören können, von ihrem Auslandssemester zu schwärmen, denn diese sechs Monate in Saragossa waren einfach unbeschreiblich.

All die Erfahrungen, die ich während meines Aufenthalts in Spanien sammeln durfte, haben mich in auf positive Art und Weise geprägt und bin mir sicher, dass auch in mehr als 30 Jahren die Erinnerungen an diese ereignisreiche Zeit mir immer noch ein Lächeln auf die Lippen zaubern werden.

Mit meinen Erasmus-Buddies (Foto: Marie Goltermann)

Mit meinen Erasmus-Buddies (Foto: Marie Goltermann)