Es war nicht geplant. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nie eine Stierkampfarena (plaza de toros) zu betreten und schon gar keinen Kampf zu sehen, auch wenn dieses Spektakel Teil der spanischen Kultur ist.

Eines der bekannten Feste rund um die Tradition des Stierkampfs ist San Fermín in Pamplona. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen typischen Stierkampf in der Arena. In den engen Gassen von Pamplona findet das berühmte Stiertreiben statt. Die Stiere werden hierbei durch die Gassen gejagt, während die Leute mitlaufen und versuchen, die Tiere zu berühren oder gar bei den Hörnern zu packen. Seit 1924 sind bei diesem Spektakel 15 Läufer zu Tode gekommen, etliche verletzen sich jedes Jahr.

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

In den Sommermonaten finden mehre Feste dieser Art in verschiedenen spanischen Städten zu Ehren der jeweiligen Schutzpatronen  statt. All diese Feste dauern mehrere Tage, und im Großen und Ganzen ist die komplette Stadt eine Partyzone, in der ohne Unterbrechung Tag und Nacht gefeiert wird. Um es mit einem Satz zu beschrieben: Es herrscht Ausnahmezustand.

Überraschung in Soria

Um uns selbst ein Bild von diesen Festlichkeiten zu machen, beschlossen ein paar Erasmus-Studenten und ich in eine Stadt namens Soria, circa 150 Kilometer von Saragossa entfernt, zu besuchen. Allerdings war zu Beginn unklar, ob dort das Stiertreiben stattfindet oder nicht – unsere letzte Information bevor wir Saragossa verließen: keine Stiere in Soria.

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

In Soria angekommen, war ich zunächst einmal von all den Eindrücken überwältig: Die Menschenmassen, der Lärm, ein wirklich unbeschreiblicher Zustand. Wir bewegten uns also in Richtung plaza de toros, da sich dort Hunderte von Menschen versammelt hatten. Und dann ging alles ganz schnell: Die Arena leerte sich, und Torero (der Stierkämpfer) und Stier erschienen. Und wir mitten darunter. Etwas naiv dachte ich zu Beginn noch, dass dies kein „richtiger“ Stierkampf sein. Doch wie sich nach einigen Minuten herausstelle: Es war eine richtige corrida de toros.

In der Arena

Meine Gefühlslage während des Kampfes ist schwer zu beschreiben. Einerseits wollte ich die Arena fluchtartig verlassen, da ich wusste, wie das Ganze enden würde. Andererseits war ich auch in gewisser Art und Weise fasziniert. Die tänzerischen Bewegungen des Toreros, dieses Selbstbewusstsein, mit dem er sich vor dem mächtigen Bullen bewegte. Es war wie eine Art Tanz, ein Schauspiel, von dem man seine Augen nicht abwenden kann. Doch dann begann der – für mich – grausame Teil: Die Helfer des Toreros (oder auch Matadors), die sogenannten Picadores, provozierten den Stier mit Banderilleros, bunt geschmückten Stechlanzen.

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

Dann ging der Kampf zwischen Torero und Stier weiter. Der Torero spielte mit dem roten Tuch, darunter versteckt der Degen; der Stier ließ sich darauf ein, unwissend, dass er damit sein Todesurteil unterschrieben hatte. Deutlich zu merken war die Überlegenheit des Matadors, und genau dies machte es zu einem grausamen Spiel, ein Spiel mit dem Leben des Stieres. Und dann war es soweit: Der Torero stach mit dem Degen zwischen die Schulterblätter des Bullen: Doch er traf nicht.

Erst beim zweiten Versuch konnte der Torero dem Stier den tödlichen Stich versetzen.

Der Stier wankte, versuchte sich bis zur letzten Sekunde zu verteidigen. Erst nach einigen Minuten des Leidens sankt der Koloss unbeholfen zu Boden. Die letzten Minuten waren die härtesten für mich. Am liebsten hätte ich die Arena verlassen, denn den Anblick des leidenden Stieres konnte ich wirklich kaum ertragen – dazu die jubelnden Schreie des Publikums, Kinder, die voller Begeisterung riefen: „Der Stier ist tot, der Stier ist tot.“ Eine absurde Szene.

Ein Fazit

Einerseits abschreckend und grausam, doch auf gewisse Art und Weise faszinierend und beeindruckend –so lässt sich am besten mein Eindruck von meinem ersten (und einzigen) Stierkampf beschreiben. Zu sagen bleibt, dass ich es nicht bereue, dieses Tradition mit eigenen Augen gesehen und erlebt zu haben, gehört la corrida de toros doch zur spanischen Kultur dazu. Auf jeden Fall eine sehr intensive Erfahrung spanischer Tradition, die zwiegespaltene Gefühle zurücklässt.

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

Stierkampf in Spanien (Foto: Marie Goltermann)

Die Meinungen über die Tradition des Stierkampfs sind zweigeteilt, innerhalb sowie außerhalb Spaniens. Und auch der Tod des Toreros Victor Barrio am 10. Juli während eines Stierkampfes in Teruel ließ die Diskussion – vor allem unter den Gegnern des Stierkampfes – erneut aufkochen. Darum habe ich ein paar Meinungen unter meinen Freunden eingeholt, um zu sehen, was diese von der spanischen Tradition halten.

Claudia, Italien

I have never been able to figure out my own opinion about bull fights as ‘corrida’, and still I’m not. Even after watching it still it’s hard to say whether it’s right or wrong. That’s because while watching it as a real show I felt both a deep artistic and traditional atmosphere and a cruel and pitiless practice. This all was enhanced by the music and the cheering. What I noticed the most is the crowd of people taking part to these events, truly enjoying the show. Personally I think that as long as so many local people support such a barbaric art, the corrida will keep on being a strong tradition.

Alberto, Spanien

I have never been to a bull fight, but many years ago they used to transmit it on the TV. I think – if you take away the part of killing the bull – it’s incredible, because being in front of a brave animal, dancing with it, making the animal go the way you decide it to go… it’s amazing, it’s a demonstration of courage of the man or women that is in front of an animal that is double than you and can kill you in a moment just with a movement. I would like to run in Pamplona in front of the bulls, it’s the experience of running in front of huge animals of hundreds of kilos, it is pure adrenaline and something that you should have tried once in your life. Is it a good or bad tradition? I don’t know, it is a deeply rooted tradition in Spain that is changing nowadays a little bit.

Carlos, Spanien

I don’t like bull fighting. I don’t understand how watching an animal suffering and dying can be entertaining. On the other hand, I like bull running and bull dodging or as we call it here ‘recortadores’. It is more interesting to watch, there is no blood, and to do it a lot of skills are necessary.

Timothée, Frankreich

I went to a bull fight because I wanted to make my own opinion about it. I was very against before seeing it the first time, but now I saw it and I understand the tradition behind. Also I still think that it is a torture toward the animal – but there is also something artistic in the death of the bull.

Inés, Spanien

I have never been to a bull fight because I don’t like the idea of the bull fight that is to kill the animal. And I have also never been to San Fermín in Pamplona because I think it is too massive and touristic and a kind of excessive. People there drink too much alcohol and risk their lives running in front of the bulls. Summing up, bull fighting is nothing I feel proud of it. If killing the animal would not be part of it, I would support it, because it shows tradition and history of Spain, and for example also the outfit of the bull fighter displays traditional handcraft. This is the ‘beautiful’ part of this tradition.

Luisjo, Spanien

Like a lot of people I don’t like the tradition of the bull fighting. But I respect the people who like it. I have been to a bull fight one or two times with one of my best friends who loves it. The only thing you can do during the show: You try to enjoy.

María, Spanien

I think that bull fights are an important part of the Spanish culture, but in my opinion, this tradition should change, because I do not like to see how someone kills an animal. I love animals and from my point of view bull fights are beautiful and they represent our culture, but it is not necessary to kill the bull.