Ein Franke, der in Ostafrika aufwuchs und jetzt gemeinsam mit seiner Frau Ioana und Tochter Dhalia ein Bio-BnB in Siebenbürgen aufbauen will – Andreas Pohl hat eine ganz besondere Reisegeschichte zu erzählen. Im Interview hat er uns mehr über Siebenbürgen, sowie seinen Plan, seine Gäste mit einem Mix aus wilder Natur und ökologischem und gesunden Leben zu begeistern, verraten.

Andreas Pohl mit seiner Frau Ioana und ihrer gemeinsamen Tochter (Foto: Andreas Pohl)

Andreas Pohl mit seiner Frau Ioana und ihrer gemeinsamen Tochter (Foto: Andreas Pohl)

Ihr selbst bezeichnet euch als begeisterte Reisende. Wo auf der Welt wart ihr schon überall unterwegs?

Andreas Pohl: Da wir uns „erst“ vor zwei Jahren kennengelernt haben, waren wir anfangs noch auf getrennten Pfaden unterwegs – Ioana zog mehrmals quer durch Europa und lebte in Schottland, Rumänien, Hamburg und im Saarland. Ihre beeindruckendsten Reiseeindrücke hat sie auf einem ausgedehnten Südamerika-Trip gesammelt, besonders Chile hat es ihr dabei angetan. Ich selbst, Andreas, lebte als Kind mehrere Jahre in Ostafrika, war als Seemann im Baltikum, Mittelmeer und der Karibik unterwegs und habe mir Europa durch kleinere und größere Eurotrips erschlossen. Besonders beeindruckend fand ich Äthiopien, Guyana und, natürlich: Rumänien.

Habt ihr euch dann auch auf Reisen kennengelernt?

Genau so war es. Während meines letzten Eurotrips – ich reiste von Flughafen zu Flughafen, immer mit der günstigsten Verbindung – kam ich meist als Couchsurfer unter. Auch in Klausenburg, Rumänien, wo ich auf der Couch einer sehr sympathischen jungen Frau namens Ioana unterkam. Wir kamen uns näher, es folgten mehrere gegenseitige Besuche, bis wir schließlich zusammenzogen. Fest entschlossen, auch gemeinsam unsere Reisen fortzusetzen.

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Als Familie reisen – wie bekommt ihr das „unter einen Hut“?

Hier wird es spannend, denn unsere Tochter kam als Überraschung, und hat unsere Pläne komplett über den Haufen geworfen. Doch ein Hindernis fürs gemeinsame Reisen stellte das nie dar: Bereits im Bauch ihrer Mama hat sie dann bereits mehrere Reisen im Flugzeug mitgemacht (unter anderem nach Malta und Rumänien), und bereits vor ihrem ersten Geburtstag waren wir erneut in Siebenbürgen, um auch ihr den Ort unseres zukünftigen Bio-Retreats erstmals vorzuführen. Komplizierter sind unsere Ausflüge, auch innerhalb Deutschlands, nicht wirklich geworden. Ganz im Gegenteil; wir waren oft überrascht wie zuvorkommend Menschen sind, wenn man mit Kind unterwegs ist.

Warum zieht es euch jetzt gerade nach Siebenbürgen?

Die Familie meiner Frau besitzt dort, mitten in einem Naturschutzgebiet, ein Grundstück mit einer alten Scheune. Ioana organisiert bereits seit Jahren Workshops und Events zum Thema Nachhaltigkeit in der Region, hat mehrere Filme zur dortigen Kultur und Natur gedreht, und träumt seit langem von einem Zuhause in der Heimat ihrer Vorfahren. Mit der Geburt unserer Tochter vor einem Jahr haben wir gemeinsam beschlossen, diesen Traum endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Auch um unserer Kleinen den Umgang mit einer natürlichen Umwelt von Kindesbeinen an näher zu bringen.

Was macht den Ort überhaupt so faszinierend?

Siebenbürgen hat eine einzigartige Geschichte, die mit Deutschland eng verflochten ist. Da hier der Raum dazu fehlt das auszuführen, empfehle ich die Lektüre des entsprechenden Wikipedia-Artikels. Hinzu kommt, dass die dortige Natur noch nahezu unangetastet besteht, die dünne Besiedelung durch den Menschen geschieht hier seit Jahrhunderten im Einklang und in einer engen Symbiose mit der Umwelt. Ein sichtbares Zeichen davon ist die diverse Flora und Fauna der Region: Neben in Europa sehr rar gewordenen Gräsern und Blumen finden sich hier auch noch starke Populationen von Wildtieren – auch Wölfe, Luchse und Bären sind hier noch zuhause.

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Ist es für dich schwierig, deine Heimat Deutschland hinter dir zu lassen?

Für Ioana ist es ein lange gehegter Wunsch sich in Siebenbürgen etwas aufzubauen, und auch mir fällt
es nicht schwer, meine Zelte in Deutschland abzubauen. Durch das viele Reisen und meine Kindheit in Ostafrika fühle ich mich zwar schon fest in meiner Heimat Franken verwurzelt, gegen eine kleine Eskapade im Ausland habe ich jedoch wenig einzuwenden. Zumal Siebenbürgen der deutschen Kultur und Mentalität erstaunlich ähnlich ist (ganz anders als in den übrigen Regionen Rumäniens), und auch landschaftlich und architektonisch (Geschichts-bedingt) viele Gemeinsamkeiten zu finden sind. Außerdem ist das Ganze ja auch nur über die Sommermonate geplant. Ob wir den Rest des Jahres dann in Deutschland verbringen, steht uns ja noch offen.

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Für diejenigen, die nicht wissen, was ein Bio-Bnb ist: Was muss man sich darunter vorstellen?

Ein nach ökologischen Grundsätzen betriebenes Gästehaus. Auch das Schlagwort Agrotourismus wäre hier nicht falsch. In unserer Ausgebauten Scheune wollen wir ab Sommer 2018 interessierten Reisenden das näher bringen, was diese Region einzigartig macht: die einzigartige Natur, nach wie vor gepflegte Handwerkstraditionen, traditionelle Weidewirtschaft, lokale Nahrungsmittelproduktion in Kleinstbetrieben und die leckere Küche Siebenbürgens. Mein Lieblingsgericht ist übrigens Mamaliga, eine raffinierte Variante von Polenta (mit viel Käse, und bei Bedarf auch selbstgemachten Würsten).

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Was erwartet die Gäste im Gesamten dort?

Eine Auszeit vom Alltagsstress, eine Reise zurück zu dem was uns als Menschen ausmacht: Back to the Roots. Unsere sonst brutal überstrapazierten Sinne können hier entspannen: Klare Bergluft statt Smog, Stille statt Verkehrslärm, natürliche Düfte statt Geruchsmarketing – und biologisch, lokal produzierte Leckereien, die eure Geschmacksknospen auf eine kulinarische Erkundungstour schicken.

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit der Idee an?

Zum einen den klassischen Backpacktouristen, der eine günstige Unterkunft sucht. Wir werden dafür auch einen kleinen Zeltplatz zur Verfügung stellen. Dank der, trotz der abgelegenen Lage, guten Anbindung an den Internationalen Flughafen Klausenburg, ist eine Anreise aus Deutschland in zwei Stunden möglich – und kostet mit Budget-Airlines wie WizzAir kaum mehr als 50 Euro.

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Besonders im Fokus haben wir zudem junge Familien die, wie wir, ihren Kindern die Natur und gesundes Essen von Anfang an Nahe bringen möchten. Aber auch anspruchsvollere Manager-Typen sind bei uns willkommen. Obwohl wir alles sehr minimalistisch und ausschließlich mit traditionellen Bauweisen und Naturstoffen aufbauen, wird es an Komfort nicht mangeln. Kuschelige Betten, warmes Wasser und ein abwechslungsreicher Speiseplan sollten auch gestressten Arbeitstieren eine gute Rahmenbedingung bieten, um auf begleiteten Touren oder auf eigene Faust geplanten Wanderungen einen klaren Kopf und einen Einblick in ein alternatives Leben zu bekommen.

Welche Schritte sind eigentlich nötig, um so eine Unterkunft zu eröffnen? Wir stellen uns das ziemlich kompliziert und komplex vor …

Die Renovierung der Scheune ist tatsächlich ziemlich umfangreich, und zudem mit einigen Kosten verbunden. Besonders durch unseren knappen Zeitrahmen von nur drei Monaten, wird unser Sommer alles andere als ein entspannender Rumänienurlaub werden. Unsere To-Do-Liste umfasst im groben das Aufsetzen eines neuen Daches, Isolierung der Wände, Einbau von Fenstern und Anbau einer Veranda. Im Einzelnen kommen dann noch zahlreiche Kleinigkeiten hinzu, wie die Umzäunung des Geländes mit einer Totholzhecke, das Anlegen von Blumen- und Kräuterbeeten, Bau einer Dusche, Befestigung des Zugangsweges. Ihr seht: Die Liste ließe sich beinahe endlos erweitern.

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Reisen in Siebenbürgen (Foto: Andreas Pohl)

Die finanzielle Seite hoffen wir durch eure Mithilfe zu stemmen: Ab Mitte März veranstalten wir über die Cowdfunding-Platform Startnext eine Kampagne, in der wir das benötigte Kapital (knapp 10.000 Euro) aufbringen werden. Belohnt werden alle Unterstützer mit saftigen Dankeschöns von biologischen Teemischungen aus Siebenbürgen über Schnupperurlaube im Bio-BnB bis hin zu einer Ehrenbürgerschaft für unseren Hauptsponsor.

Wann wollt ihr denn offiziell eröffnen?

Das kommt ganz stark auf den Verlauf unserer oben erwähnten Crowdfunding-Kampagne an – deswegen hier die große Bitte, diese bei Interesse zu unterstützen und gerne auch den Link zu teilen. Wenn wir damit wie geplant Erfolg haben, wird der Gästebetrieb im Sommer 2018 beginnen. Wann genau erfahrt ihr dann auf unserer Homepage bio-retreat.de.

Wenn alles so weit ist: Was kann man überhaupt in Siebenbürgen unternehmen? Habt ihr besondere Tipps für unsere Leser?

Abgesehen von totaler Entspannung und atemberaubender Natur? Für alle die ein umfangreicheres Rahmenprogramm wünschen, bieten wir eine Vielzahl an Ausflügen in die Region an. Da wäre in direkter Nachbarschaft der regelmäßige Viehmarkt im Nachbardorf, das angrenzende Naturschutzgebiet Belioara, eine faszinierende Salzmine, zahlreiche Höhlen, ausgedehnte Wanderwege, eine Übernachtung bei Wildpferden, sowie zahlreiche Workshops bei lokalen Handwerkern und Bauern, sowie zu Themen wie Biodiversität oder traditionelles Kochen.

Wem das nicht genug ist, dem bieten wir auch längere Ausflüge an: In die deutschen Stadtgründungen und Dörfer Siebenbürgens, Kutschentouren, Kajakausflüge, Paragliding in den Karpaten, Radtouren – oder, ganz kitschig, ein Besuch in Transsilvaniens bekanntester Attraktion, das Schloss Bran von Graf Dracula. Doch ein Besuch in unserem Gästehaus wird euch vor allem eins zeigen: Dass Siebenbürgen weit mehr ist als Vampire und Rumänien-Klischees.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Glück beim Eröffnen!