„Reisen ist in der Jugend ein Teil der Erziehung, im Alter ein Teil der Erfahrung“, sagte Sir Francis Drake einmal. Damit deutete der englische Entdecker bereits früh an, wie wichtig es ist, zu reisen. Wenn man jung ist, ist das allerdings nicht immer ganz einfach. Besonders im Studium: Die Anwesenheitspflicht in der Uni reduziert die Reisezeit meist auf die Semesterferien. Dort stehen dann meist Praktika oder andere Jobs auf dem Programm, um sich wiederum das nächste Semester zu finanzieren. Und das Geld ist sowieso immer knapp. Einmal in dieser gedanklichen Maschinerie gefangen, vergisst man meist, dass es noch andere Dinge gibt, die für die persönliche Entwicklung eines Menschen einen enormen Effekt haben können – und dazu gehört eben auch das Reisen. Hier findest du 15 Gründe, warum du gerade als junger Mensch dennoch deinen Rucksack packen und losziehen solltest.

Das Titelfoto stammt von Anna Wiedenbauer. Dankeschön!

1. Weil Reisen deinen Horizont erweitern

Auf Reisen entdeckt man Neues, man verlässt die eigene Komfortzone, man trifft neue Menschen, man kommt mit Dingen in Berührung, die man nicht planen kann und man lernt. Egal ob man gespannt dem Reden eines nicaraguanischen Zuckerrohrarbeiters lauscht oder ob man sich auf einem Langstreckenflug mit einem Backpacker aus der Schweiz austauscht – man bekommt immer spannenden Input. Und das alles führt dazu, dass man lernt, dass man beginnt, über den Tellerrand zu schauen, dass man sich weiter entwickelt und seinen Horizont erweitert. Es heißt nicht umsonst: „The World is a Book and Those Who Do Not Travel Read Only One Page.“

Parade in Nicaragua (Foto: Werner Müller-Schell)

Parade in Nicaragua (Foto: Werner Müller-Schell)

2. Weil du auf Reisen Menschen kennenlernst

Mehr als sieben Milliarden Menschen leben auf unserem Planeten. Und natürlich wird man nie alle kennenlernen können. Doch wenn reist, hat man die Möglichkeit, zumindest einer große Bandbreite an Leuten verschiedenster Kulturen zu begegnen. Dabei merkt man recht schnell, dass „die Anderen zwar oft ganz anders leben, aber gar nicht so anders ticken“. Die Folge: Deine Menschenscheu wird verschwinden, deine Toleranz wird steigen und deine Scheuklappen werden mit jeder Reise kleiner. Du wirst lernen, dich in andere Menschen und ihre Perspektive besser hineinzuversetzen können. Und irgendwann wirst du feststellen, dass es viel mehr gibt als Grenzen und Politik. Und natürlich entstehen bei Reisen auch Freundschaften. Mit vielen Menschen, die ich unterwegs kennengelernt habe, habe ich heute noch Kontakt – und man trifft sich nach Jahren wieder. Auf diese Bereicherung möchte ich nicht mehr verzichten.

Gemeinsam mit Ricky und Susan auf dem Syue Mountain in Taiwan (Foto: Werner Müller-Schell)

Gemeinsam mit Ricky und Susan auf dem Syue Mountain in Taiwan (Foto: Werner Müller-Schell)

3. Weil du auf Reisen dich selbst kennenlernst

Neben neuen Menschen lernt man auf Reisen allerdings auch sich selbst sehr gut kennen. Das kann passieren, indem man sich Herausforderungen stellen und mit Grenzsituationen umgehen muss – das kann aber auch passieren, weil man alleine unterwegs ist und sich lange mit sich selbst auseinandersetzen muss. Man probiert Neues aus und merkt besser, was einem gefällt und was nicht. Man muss aber auch über sich nachdenken und sich mit seinen innersten Problemen auseinandersetzen. Das alles trägt dazu bei, dass sich deine Selbstwahrnehmung verändern wird. Im Übrigen sind Reisen oftmals auch ein gutes Mittel, um seine weiteren Schritte im Leben herauszufinden – und manchmal öffnen sie auch neue Türen.

Kamel-Begegnung in China (Foto: Sabina Schneider)

Kamel-Begegnung in China (Foto: Sabina Schneider)

4. Weil Reisen dich selbstbewusster machen

Ja, ich gebe es zu: Als ich zum ersten Mal ganz alleine geflogen bin, habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Es war ein Flug nach Spanien und der riesige Flughafen, der ungewohnte Ablauf des Fliegens, mehrere Umstiegsaktionen sowie die unbekannte Sprache im Zielland waren damals eine riesige Herausforderung für mich, die mich viele Nerven gekostet hat. Als junger Mensch fehlte mir die Souveränität, mit einer solch unbekannten Herausforderung umzugehen. Dies ist dabei nur eines von vielen Beispielen, wie Reisen dazu beiträgt, das Selbstbewusstsein zu steigern: Menschenscheu oder die Angst vor dem Fremden gehört dazu. Begegnungen mit eigentlich gefährlichen Tieren oder die Angst vor der Höhe sind weitere. Und natürlich ist in dieser Aufzählung auch der Kulturschock in einem exotischen Reiseziel zu nennen, den jeder irgendwann einmal erleidet. Auf Reisen muss man sich allerdings all diesen Erfahrungen stellen. Und beim nächsten Mal wird man schon besser mit solchen Ängsten umgehen können. Einer meiner Lieblingsschriftsteller, Henry David Thoreau, schreibt nicht umsonst: „I took a walk in the woods and came out taller than the trees.“ Heute ist das Fliegen für mich übrigens eine Bereicherung – und alles andere als stressig.

Anzeigetafel in einem Flughafen (Foto: Werner Müller-Schell)

Anzeigetafel in einem Flughafen (Foto: Werner Müller-Schell)

5. Weil du auf Reisen lernst, auf andere Kulturen zuzugehen

Menschenscheu und die Angst vor der Fremde spielten bereits beim vorherigen Punkt eine Rolle. Doch gerade dieser Punkt ist ein ganz großer Benefit des Reisens. Wenn man tiefgründig in ein Land eintaucht (und damit sind keine All-Inclusive-Urlaube gemeint), kommt man automatisch mit Einheimischen in Kontakt. Als ich zum Beispiel vor drei Jahren in Tansania war, um den Kilimandscharo zu besteigen, verbrachte ich eine gute Woche mit meinen Guides am Berg. Und auf den mehrstündigen Wanderungen lernt man sich natürlich auch kennen. Die anfängliche Scheu war schnell verschwunden und letztlich konnte ich viel mehr Erfahrungen aus Tansania mitnehmen, als nur die Gipfel-Urkunde des höchsten Berges Afrikas. Letzteres ist zwar auch schön, langfristig habe ich aber von den Begegnungen mit den Menschen dort mehr erfahren.

Auf dem Gipfel des Kilimandscharo (Foto: Werner Müller-Schell)

Auf dem Gipfel des Kilimandscharo (Foto: Werner Müller-Schell)

6. Weil Reisen deinen Blick auf die Welt verändern

Wenn man reist, lernt man automatisch viele Dinge neu zu schätzen. Wenn man unterwegs ist, muss man seine Dinge oftmals auf das Wesentliche reduzieren. Da kann es schon einmal passieren, dass das Suchen nach dem nächsten Wifi in den Hintergrund rückt und man stattdessen schon über hierzulande so grundlegende Dinge wie eine Toilettenspülung oder frisches Trinkwasser glücklich ist. Dadurch merkt man auch, dass in vielen Ländern nicht der gleiche Lebensstandard vorhanden ist wie bei uns. Dein Blick auf die Welt wird sich also sehr bald verändern.

Ein Kind am Lake Malawi (Foto: Werner Müller-Schell)

Ein Kind am Lake Malawi (Foto: Werner Müller-Schell)

7. Weil du auf Reisen lernst, Dinge kritischer zu betrachten

Auch dieser Punkt gehört dazu, wenn sich der Blick auf die Welt verändert. Klar – man erfährt vieles durch die Nachrichten. Wenn man allerdings ein Land persönlich erlebt, macht man seine Erfahrungen auf einem ganz anderen Level. Man setzt sich mit der Geschichte auseinander und auch mit der politischen Situation. Dazu gehört auch, dass man kritischer wird und versucht zu verstehen, warum gewisse Dinge in einem Land so sind, wie sie sind, und warum sie funktionieren oder eben nicht. Wichtig ist dabei allerdings, dass man seine eigene kulturelle Brille ablegt – soweit das eben möglich ist.

Die chinesische Mauer bei Mutianyu (Foto: Werner Müller-Schell)

Die chinesische Mauer bei Mutianyu (Foto: Werner Müller-Schell)

8. Weil du auf Reisen lernst, wie toll Abenteuer sein können

Reisen sind Abenteuer. Egal ob ein Road Trip mit dem Auto entlang der Pazifikküste der USA oder eine Tour ins australische Outback – du wirst aufregende, inspirierende und vielleicht sogar gefährliche Erlebnisse haben, die Rückblickend aber allesamt der Nährstoff für wunderbare Geschichten sind. Das können kleine Geschichten wie eine Reifenpanne beim Autofahren in Island oder eben auch größere wie das stundenlange, orientierungslose Wandern durch eine öde Waldgegend irgendwo in Griechenland – so passiert bei einer Klassenfahrt mit meiner Schule 2004 – sein. Während eines Abenteuers ist selbiges übrigens oftmals nicht so toll – danach ist es dafür umso besser …

Bergschuhe (Foto: Werner Müller-Schell)

Bergschuhe (Foto: Werner Müller-Schell)

9. Weil Reisen dich flexibler und kreativer machen

Mit den Abenteuern kommen allerdings auch die Herausforderungen. In vielen Ländern läuft nicht alles so perfekt geregelt ab wie bei uns in Deutschland. Fahrpläne stimmen nicht und manchmal gibt es gar keine Abfahrtszeiten. Buchungen haben nicht funktioniert, Verabredungen verschieben sich spontan, es gibt keine Timetables und und und. Für den Reisenden heißt das, dass man flexibel mit diesen Herausforderungen umgehen muss. Anfangs ist das vielleicht ungewohnt – mit der Zeit kann es aber auch spannend werden. Ein Tipp: Oft ist es am besten, wenn man sich einfach auf die Einheimischen verlässt!

Auf dem Feng Chia Night Market in Taichung (Foto: Werner Müller-Schell)

Auf dem Feng Chia Night Market in Taichung (Foto: Werner Müller-Schell)

10. Weil reisen gar nicht so teuer ist, wie viele denken

Gerade, wenn man jung ist, ist das fehlende Geld oftmals eine riesengroße Hürde, um zu reisen. Doch das muss es gar nicht sein, denn es gibt gerade für junge Menschen viele Möglichkeiten, die Welt auch „günstig“ zu entdecken: Auslandspraktika, Volunteer-AufenthalteErasmus-Semester, Work and Travel oder Summer Schools sind Chancen, die man nutzen sollte, um die Welt kennenzulernen. Außerdem gibt es auch viele andere Punkte, bei denen man sparen kann, etwa weil ein guter Bekannter sowieso in einer entsprechenden Stadt wohnt und man nur noch einen billigen Flug benötigt. Beherzigt man das, ist es also durchaus möglich, auch ferne Ziele für verhältnismäßig wenig Geld zu entdecken. Man muss eben die Augen offen halten …

Istanbul (Foto: Werner Müller-Schell)

Istanbul (Foto: Werner Müller-Schell)

11. Weil dir Reisen zeigen, wie groß die Welt ist

Wenn man hier in Deutschland oder Österreich lebt, haben Entfernungen meist keine große Bedeutung. Innerhalb weniger Kilometer oder einer halben Stunde ist man im Prinzip immer in einer kleineren Stadt und die Zivilisation ist immer allgegenwärtig. In anderen Gegenden dieser Welt ist das aber ganz anders. In Skandinavien etwa kann es schon mal passieren, dass man zig Kilometer durch Wälder fährt, ohne überhaupt nur auf ein Dorf zu stoßen. Selbiges gilt auch für viele weitere Regionen – allen voran Kanada, Russland, Afrika, Patagonien oder die USA. Ist man dort unterwegs, erkennt man sehr schnell, dass man per Flugzeug zwar recht bald an jeden Ort auf unserem Planeten kommen kann – unsere Welt eigentlich aber riesengroß ist.

Eine Straße in's Meer auf Lanzarote (Foto: Werner Müller-Schell)

Eine Straße in’s Meer auf Lanzarote (Foto: Werner Müller-Schell)

12. Weil Reisen dir zeigen, wie schön die Welt ist

„Open your eyes and notice the beauty of this wonderful world.“ Getreu dieses Mottos sind auch Reisen eine wunderbare Möglichkeit, um die Schönheit der Welt zu entdecken. Ein Sonnenuntergang am Strand, ein Morgen auf einem Berggipfel hoch über der Nebeldecke, der Blick aus dem Flugzeug auf die Wolken, der Genuss einer Skyline bei Nacht, Dschungel-Atmosphäre und und und – es gibt viele Dinge, die beim Reisen die Schönheit unserer Welt zeigen. Natürlich liegt Schönheit auch immer im Auge des Betrachters – aber gerade deshalb sind Reisen für jeden Menschen eine tolle Möglichkeit, seine eigenen schönen Momente zu entdecken.

Ausblick auf die Zwölf Apostel in Kapstadt (Foto: Werner Müller-Schell)

Ausblick auf die Zwölf Apostel in Kapstadt (Foto: Werner Müller-Schell)

13. Weil Reisen dir zeigen, wie bunt die Welt ist

Mit bunt ist in diesem Fall der Mix aus verschiedensten Kulturen, Landschaften und Menschen gemeint. Da wir diese Punkte allerdings in unserer Liste schon aufgezählt haben, möchte ich an dieser Stelle noch auf die Kulinarik eingehen. Denn natürlich gehören zu dieser Buntheit auf unserem Planeten auch die kulinarischen Genüsse dazu. Als Essensliebhaber stürze ich mich meist sehr schnell auf die einheimische Kost – auch, wenn die auf den ersten Blick nicht immer so lecker aussieht. Manchmal ist das nicht so erfolgreich – etwa auf einem taiwanesischen Night Market beim Verzer von stinkendem Tofu – manchmal aber eben schon: In Tansania bekam ich einmal ein original Ugali inklusive heimischem Kilimanjaro-Beer serviert – unvergesslich.

Gewürze in Istanbul (Foto: Werner Müller-Schell)

Gewürze in Istanbul (Foto: Werner Müller-Schell)

14. Weil dir Reisen Appetit auf mehr machen

Ist einmal das Reisefieber ausgebrochen, wird man es auch nicht mehr stoppen können. Ich erinnere mich noch genau an meine erste richtige Reise: Es war ein knapp dreiwöchiger Trip mit dem Altgriechisch-Kurs meiner Schule quer durch Griechenland. Zum ersten Mal bin ich tiefer mit einer anderen Kultur und anderen Menschen in Berührung gekommen. Und danach war mein Reisefieber geweckt. Reisen machen einfach Appetit auf mehr!

Postkarten machen Lust auf's Reisen (Foto: Werner Müller-Schell)

Postkarten machen Lust auf’s Reisen (Foto: Werner Müller-Schell)

15. Weil du beim Reisen eine gute Zeit haben kannst

„To have a whale of a time“ steckt nicht umsonst im Namen unseres Blogs. Alle vorher genannten Gründe sorgen dafür, dass man beim Reisen eine verdammt gute Zeit haben kann. Egal ob in der Hängematte eines bunten Hostels in Nicaragua oder auf einer einsamen Berghütte auf Taiwan – bisher habe ich auf jeder meiner Reisen schöne, interessante, tolle, prägende, bereichernde, unvergessliche Momente erlebt. Und genau deshalb kann ich auch nicht damit aufhören, immer wieder den Rucksack zu packen. In diesem Sinne haltet es wie Francis Bacon: „Travel in the younger sort, is a part of education; in the elder, a part of experience.“

Sabina und Werner in Namibia

Sabina und Werner in Namibia